Ob Green Card über die Lotterie, ein Arbeitsvisum für einen Job in Texas oder die Heirat mit einem amerikanischen Partner: Wer in die USA auswandern möchte, muss die Einwanderungsbehörde mit vollständigen Unterlagen überzeugen. Und diese Unterlagen müssen auf Englisch vorliegen. Für deutsche Antragsteller heißt das, dass fast jede Urkunde übersetzt werden muss.
Viele unterschätzen diesen Schritt. Dabei sind fehlende oder fehlerhafte Übersetzungen einer der häufigsten Gründe für Rückfragen der Behörde, die den gesamten Prozess um Wochen oder Monate verzögern können. Dieser Beitrag zeigt, welche Dokumente betroffen sind und was eine Übersetzung für die US Behörden erfüllen muss.
Wer entscheidet über Ihren Antrag
Für die meisten Einwanderungsverfahren innerhalb der USA ist die United States Citizenship and Immigration Services zuständig, kurz USCIS. Für Visa, die im Ausland beantragt werden, kommen die US Botschaften und Konsulate ins Spiel. Beide Stellen veröffentlichen ihre Anforderungen online. Formulare, Gebühren und aktuelle Bearbeitungszeiten finden Sie direkt auf der Website der US Citizenship and Immigration Services.
Welche Dokumente typischerweise gebraucht werden
Je nach Verfahren unterscheiden sich die Listen, doch einige Urkunden tauchen fast immer auf:
- Geburtsurkunde, häufig in einer aktuellen Ausfertigung
- Heiratsurkunde oder Lebenspartnerschaftsurkunde
- Scheidungsurteile aus früheren Ehen
- Polizeiliches Führungszeugnis
- Schul und Hochschulzeugnisse für Arbeitsvisa
- Arbeitszeugnisse und Nachweise über Berufserfahrung
- Steuerbescheide und Kontoauszüge als Finanznachweis
Die Geburtsurkunde ist dabei fast immer Pflicht, auch für Kinder, die mit einreisen. Sie belegt Identität, Abstammung und häufig auch die Staatsangehörigkeit.
Was die US Behörden von einer Übersetzung erwarten
Anders als in Deutschland gibt es in den USA keine vereidigten Übersetzer im deutschen Sinne. Die USCIS verlangt stattdessen eine vollständige englische Übersetzung, der eine Bestätigung des Übersetzers beiliegt. Darin erklärt er, dass er beide Sprachen beherrscht und die Übersetzung vollständig und korrekt ist. Name, Unterschrift, Adresse und Datum gehören dazu.
Ausführlich erklärt werden diese Regeln im Beitrag zu den USCIS Anforderungen an Übersetzungen, der auch typische Formulierungen der Bestätigung erläutert.
Vollständigkeit ist alles
Die Behörde verlangt eine wortgetreue Übertragung des gesamten Dokuments. Dazu zählen auch Stempel, Siegel, Randvermerke, handschriftliche Ergänzungen und die Rückseite. Eine Zusammenfassung oder ein Auszug genügt nicht. Wer etwa nur die Vorderseite einer mehrsprachigen Geburtsurkunde übersetzen lässt, riskiert eine Request for Evidence, also eine offizielle Nachforderung.
Internationale Geburtsurkunde oder Übersetzung
Deutsche Standesämter stellen auf Wunsch eine internationale Geburtsurkunde nach dem Wiener Übereinkommen aus. Sie enthält feste Felder mit Übersetzungen in mehrere Sprachen, darunter Englisch. Manchmal wird sie akzeptiert, manchmal nicht, denn sie enthält weniger Angaben als eine vollständige Geburtsurkunde, etwa keine Angaben zu den Eltern. Viele Antragsteller lassen deshalb vorsorglich die reguläre Urkunde übersetzen.
Wer seine Geburtsurkunde übersetzen lassen möchte, sollte die Ausfertigung verwenden, die er tatsächlich einreichen wird, und auf eine einheitliche Schreibweise der Namen achten, so wie sie im Reisepass steht.
Namen, Umlaute und Datumsformate
Deutsche Namen bereiten im amerikanischen System oft Probleme. Aus Jürgen Müller wird im Pass JUERGEN MUELLER, in einer anderen Urkunde vielleicht Jurgen Muller. Für die Behörde können das zwei verschiedene Personen sein. Legen Sie vor der Übersetzung fest, welche Schreibweise gilt, und verwenden Sie diese in allen Dokumenten.
Auch Datumsangaben sind eine Falle. Der 04.07.1990 ist in Deutschland der 4. Juli, in den USA wird 07/04/1990 geschrieben. Professionelle Übersetzer schreiben den Monat deshalb aus, damit keine Verwechslung möglich ist.
Apostille und Beglaubigung
Für die meisten USCIS Verfahren ist keine Apostille nötig. Anders sieht es aus, wenn Dokumente für Gerichte, Bundesstaaten oder bestimmte Berufszulassungen gebraucht werden, etwa für Lehrer, Ärzte oder Ingenieure. Hier kann eine Apostille auf der deutschen Urkunde verlangt werden, die dann ebenfalls übersetzt wird. Klären Sie das am besten mit der Stelle, die den Antrag bearbeitet.
Typische Fehler beim Antrag
- Übersetzungen ohne unterschriebene Bestätigung des Übersetzers einreichen
- Stempel und Rückseiten nicht übersetzen lassen
- Die Übersetzung selbst anfertigen, obwohl man Antragsteller ist
- Uneinheitliche Namen und Daten in verschiedenen Dokumenten
- Veraltete Urkunden verwenden, die nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen
Zeitplan für die Auswanderung
Ein Einwanderungsverfahren dauert oft viele Monate. Die Übersetzungen selbst sind meist in wenigen Tagen erledigt, doch das Beschaffen neuer Urkunden beim Standesamt, das Einholen von Führungszeugnissen und gegebenenfalls Apostillen kostet Zeit. Planen Sie deshalb früh und lassen Sie alle Unterlagen gesammelt übersetzen. Das sorgt für einheitliche Schreibweisen und spart Kosten.
Selbst übersetzen ist keine gute Idee
Viele Auswanderer sprechen sehr gut Englisch und überlegen, ihre Urkunden einfach selbst zu übersetzen. Davon ist dringend abzuraten. Die USCIS erwartet eine Übersetzung von einer dritten Person, die nicht am Verfahren beteiligt ist. Auch der Ehepartner oder enge Verwandte sind keine gute Wahl, weil ihre Unabhängigkeit angezweifelt werden kann. Hinzu kommt, dass deutsche Amtsbegriffe wie Standesamt, Familienbuch oder Personenstandsregister im Englischen eine passende und gleichzeitig verständliche Entsprechung brauchen. Ein erfahrener Übersetzer kennt die üblichen Lösungen und ergänzt bei Bedarf eine kurze Erläuterung. So erkennt der Sachbearbeiter in Texas oder Kalifornien sofort, um welches Dokument es sich handelt und welche Information er darin findet.
Ankommen in Texas und anderswo
Auch nach der Ankunft werden Übersetzungen gebraucht, etwa für den Führerschein, die Anmeldung der Kinder an der Schule oder die Anerkennung von Berufsabschlüssen. Bewahren Sie alle Übersetzungen zusammen mit den Originalen sorgfältig auf. Wer gut vorbereitet ist, verbringt seine ersten Wochen in den USA mit dem Einleben und nicht mit Behördengängen.
